E-Buch-DeckblattRedewendungen 2009 Episode 73 bis 77 – Die aufgetriebenen Schriftquellen [Autor / verwendeter Titel (mit Sprache) / Originaltitel der Erstausgabe / „Zitat“ aus frühster Quelle] – auf der Suche nach der ersten Erwähnung (im Deutschen) unter Nennung vorlaufender und späterer prägnanter Formulierungen (sowie von Beiwerk)

Episode 73: Niemals (lange) überlegen

„nicht (lange) fackeln“ (1731)

Johann Gottfried Schnabel (1692 - um 1746): „Die Insel Felsenburg“ (1731-43); „Wunderliche FATA einiger See-Fahrer, absonderlich ALBERTI JULII, eines gebohrnen Sachsens, Welcher in seinem 18den Jahre zu Schiffe gegangen, durch Schiff-Bruch selb[s]te an eine grausame Klippe geworffen worden, nach deren Ubersteigung das schönste Land entdeckt, sich daselbst mit seiner Gefährtin verheyrathet, aus solcher Ehe eine Familie von mehr als 300. Seelen erzeuget, das Land vortrefflich angebauet, durch besondere Zufälle erstaunens-würdige Schätze gesammlet, seine in Teutschland ausgekundschafften Freunde glücklich gemacht, am Ende des 1728sten Jahres, als in seinem Hunderten Jahre, annoch frisch und gesund gelebt, und vermuthlich noch zu dato lebt, entworffen Von dessen Bruders-Sohnes-Sohnes-Sohne, Mons. Eberhard Julio, Curieusen Lesern aber zum vermuthlichen Gemüths-Vergnügen ausgefertiget, auch par Commission dem Drucke übergeben Von GISANDERN.“ (1731) [ WerkErstes Buch. S. 114: „... welcher hierauf nicht gefackelt, sondern sich in aller Stille ins Hauß herein practiciret, Licht angeschlagen, und die beyden verliebten Seelen, ich weiß nicht in was vor positur, ertappet hatte.“ ]

Johann Gottfried Schnabel (1692 - um 1746): „Wunderliche FATA einiger See-Fahrer, Dritter Theil, oder: fortgesetzte Geschichts-Beschreibung ALBERTI JULII, eines gebohrnen Sachsens, seines, im Jahr 1730. erfolgten Todes, und seiner auf der Insul Felsenburg (allwo er in seinem 103ten Lebens-Jahre beerdiget worden) in vollkommenen Stand gebrachten Colonien, entworffen von des Bruders-Sohnes-Sohnes-Sohne, Mons. Eberhard Julio, Curieusen Lesern aber zum vermuthlichen Gemüths-Vergnügen ausgefertiget, auch par Commission dem Druck übergeben von GISANDERN.“ (1736) [ WerkDie Abschieds-Rede und letzten Willen des Alt-Vaters Alberti Julii I.: „die Mäurer arbeiteten hurtig hinter drein, und diejenigen, welche mit der Zimmer-Axt umzugehen wusten, deren denn eine gar starcke Anzahl war, fackelten auch nicht, sondern hieben dergestalt fleißig, daß zu Ende des Jahrs alles Holtz zum Richten (...) fertig lag.“ ]

Johann Gottfried Schnabel (1692 - um 1746): „Wunderliche FATA einiger See-Fahrer, Vierdter Theil, oder: fortgesetzte Geschichts-Beschreibung der Felsenburger; Worinnen nicht allein derselben jetziger Zustand seit Alberti Julii I. Ableben biß auf heutige Zeit mit aufrichtiger Feder gemeldet, sondern auch eine gantz besondere und Verwunderungs-würdige Lebens-Geschichte einer Persisch-Candaharischen Printzeßin MIRZAMANDA, Die fast ein Haupt-Stück der Felsenburgischen Geschichte ausmacht, zugleich mit beygefüget worden: Zuerst entworffen von Mons. Eberhard Julio, Curieusen Lesern aber zum vermuthlichen Gemüths-Vergnügen ausgefertiget, auch par Commission dem Druck übergeben von GISANDERN.“ (1743) [ WerkWunderliche FATA Einiger Seefahrer. Vierdter Theil. S. 221: „… ich hoffe, daß mir der Himmel doch noch diesen mörderischen Franzosen in die Hände führen wird, da ich denn nicht fackeln werde, ihm durch meine eigene Faust das Lebens-Licht auszublasen, …“ ]

Matthias Claudius (1740-1815): „Wandsbecker Bothe“ (1774); „ASMUS omnia sua SECUM portans, oder sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen, Erster und zweyter Theil“ (1774) [ WerkEmilia Galotti, ein Trauerspiel von Gotthold Ephraim Leßing, Berlin, bei Voß etc., S. 130: „Wollt’s auch für viel nicht mit Herrn Leßing verderben. Er fackelt nicht; zwar er gäb sich auch mit’m schlichten Bothen wohl nicht ab, er ist’s so mit Geheimden Rähten gewohnt.“ ]

Eugenie Marlitt (1825-1887): „Goldelse“ (1866), u.a. in: „Die Gartenlaube No. 15“ (1866) [ Werk13. „»Potztausend!« rief der Oberförster überrascht, »da wird nicht gefackelt, fort damit! ...«“ ]

Eugenie Marlitt (1825-1887): „Amtmanns Magd“ (1881), u.a. in „Die Gartenlaube No. 2“ (1881) und „Die Gartenlaube No. 13“ (1881) [ Werk3. „In den Ferien muß sie mir tüchtig mit an die Arbeit – da wird nicht gefackelt. Sie kann perfect backen, einmachen und Geflügel stopfen, und in der Milchwirthschaft ist sie zu Hause wie ich selber, und dabei hat sie rothe Backen wie ein Stettiner Apfel und ist frisch und gesund – Gott behüt’s – wie eine Ecker.“ / 19. „Aber deswegen war sie doch resolut und praktisch wie irgend Eine – das Nothwendige und Nützliche kam immer in erster Reihe; ja, ja, da wurde nicht gefackelt.“ ]

Joseph von Eichendorff (1788-1857): „Auch ich war in Arkadien!“ (1834) [ Werk →  „»Jetzt nur nicht lange gefackelt, es ist die höchste Zeit!« rief der Professor, schlug mit einem Ruck die Scheiben ein, schob mich durchs Fenster auf das Roß, schwang sich hinter mich, und wie aus einer Bombe geschossen flogen wir plötzlich zwischen den Giebeln und Schornsteinen in die stille Nacht hinaus.“ ]

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): „Die wandelnde Glocke“ (1813) [ Werk →  „Die Mutter hat gefackelt. (...) Die Glocke kommt gewackelt.“ ]

Kurt Tucholsky (1890-1935): „Das Lied vom Kompromiß“ (1919), aus: „Die Weltbühne, Nr. 12, 13.03.1919“ [ Werk →  „Rechts wird ganz wie früher lang gefackelt, links kommt Papa Ebert angewackelt.“ ]


Episode 74: Schillers Glocke (ohne Klöppel)

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) [ WerkZ. 91 f.: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet!“ ]

„Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) und „Friedrich Schiller: Gedichte von Friedrich von Schiller“ (1854) [ WerkZ. 93: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ / S. 367: „Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang.“ ]

„Wehe, wenn sie losgelassen“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) [ WerkZ. 163: „Wehe, wenn sie losgelassen“ ]

„Da werden Weiber zu Hyänen“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) [ WerkZ. 371 f.: „Da werden Weiber zu Hyänen / Und treiben mit Entsetzen Scherz“ ]

„Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) und „Friedrich Schiller: Gedichte von Friedrich von Schiller“ (1854) [ WerkZ. 379 f.: „Gefährlich ist’s den Leu zu wecken, / Und grimmig ist des Tigers Zahn, ...“ / S. 377: „Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, / Verderblich ist des Tigers Zahn; / Jedoch der schrecklichste der Schrecken, / Das ist der Mensch in seinem Wahn.“ ]

„Das Auge des Gesetzes“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) [ WerkZ. 304: „Denn das Auge des Gesetzes wacht.“ ]

Friedrich Wilhelm Wagner (1814-1857): „Poetarum tragicorum graecorum fragmenta“ (1844), Latein/Altgriechisch [ WerkDionysius. Incertarum fabularum fragmenta. II. (5.): „... Δίκης ὀφθαλμός ...“ / Incertorum poetarum tragicorum fragmenta. CCVIII.: „ἔστιν Δίκης ὀφθαλμός, ὃς τὰ πάνθ ̓ ὁρᾷ“ ]

August Nauck (1822-1892): „Tragicorum graecorum fragmenta“ (1889), Latein/Altgriechisch [ Werk421 „ἔστιν Δίκης ὀφθαλμός , ὃς τὰ πάνθ' ὁρᾷ.“ ]

Menander (342/41-291/90 v.Chr.): „Menandri Sententiae – Comparatio Menandri et Philistonis edidit Siegfried Jaekel“ (1964), Latein/Altgriechisch [ WerkMenandri Sententiae E Codicibus Byzantinis Ductae, Z. 225: „Ἔστιν Δίκης ὀφθαλμός ὃς τὰ πάνθ᾽ ὁρᾷ.“„Dike hat ein Auge, das alles sieht.“ ]

Erasmus von Rotterdam (1466/69-1536): „Adagia“ (1500-36); „Erasmi Roterodami Adagiorum Chiliades Tres, Ac Centuriae Fere Totidem“ (1508), Latein [ WerkDS. 239: „Iustitiae oculus. XMXCVII. Δίκης ὀφθαλμός. Iustitiae oculus, dicitur syncerus & incorruptus iudex, aut ipsum etiam iudicium“„Auge des Gesetzes wird ein aufrichtiger und unbestechlicher Richter oder auch das Gericht selbst genannt.“ ] | „Typographus lectori, Adagiorum Chiliades Des. Erasmi Roterodami toties renasci spero aequis lectoribus esse gratissimum, quando semper redeunt tum auctiores, tum emendatiores. In hac aeditione non magna quidem adiuncta est accessio, quòd opus propè ultra iustam magnitudinem excreuisse uidetur. Attamen loca quaeda[m] uigilantiore cura pensitata sunt“ (1536), Latein [ WerkS. 875: „Iusticiae oculus. XI. Δίκης ὀφθαλμός. id est, Iusticiae oculus dicitur syncerus & incorruptus iudex, aut ipsum etia[m] iudicium.“ ]

„Wo rohe Kräfte sinnlos walten“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) und „Friedrich Schiller: Gedichte von Friedrich von Schiller“ (1854) [ WerkZ. 355 ff.: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten, / Da kann sich kein Gebild gestalten, / Wenn sich die Völker selbst befreyn, / Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.“ / S. 376: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten, / Da kann sich kein Gebild gestalten; / Wenn sich die Völker selbst befrein, / Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.“ ]

„Wenn die Glock’ soll auferstehen, muss die Form in Stücke gehen“ (1799)

Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) und „Friedrich Schiller: Gedichte von Friedrich von Schiller“ (1854) [ WerkZ. 345 f.: „Wenn die Glock’ soll auferstehen / Muß die Form in Stücken gehen.“ / S. 376: „Wenn die Glock’ soll auferstehen, / Muß die Form in Stücken gehen.“ ]


Friedrich Schiller (1759-1805): „Das Lied von der Glocke“ (1799), aus: „Musen-Almanach für das Jahr 1800“ (1800) [ WerkMotto (Z. 0): „Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.“„Die Lebenden ruf’ ich. Die Toten beklag’ ich. Die Blitze brech’ ich.“ ]

Karl Kraus (1874-1936): „Sprüche und Widersprüche“ aus: „Die Fackel – Nr. 272-273, 15. Februar 1909, X. Jahr“ (1909) [ WerkSprüche und Widersprüche, S. 43: „Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Mißtrauensvotum gegen den lieben Gott.“ ]


Episode 75: Pappenheim vs. Magdeburg


Episode 76: Juncus und Vicia bekommen Besuch


Episode 77: Ohne Mama im Gelände


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Redewendungen – Oft verwendet, Ursprung unbekannt?!
Episoden 2009 – Episode 73 bis 77 (menschliche Tragödien)
Erstveröffentlichungen im Allgemeinbildungsmagazin Nr. 75 / März 2009, Nr. 76 / Mai 2009, Nr. 77 / Juli 2009, Nr. 78 / Oktober 2009 und Nr. 79 / Dezember 2009; Hrsg.: Gesellschaft für Allgemeinbildung und Information e.V.
Durchgesehene PDF-Fassungen (mit Deckblatt) vom 06.09.2012 (8 Seiten), 06.09.2012 (9 Seiten), 01.09.2012 (14 Seiten), 01.09.2012 (14 Seiten) und 31.08.2012 (7 Seiten); Hrsg.: Carsten Both
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